MOZ-Artikel vom 31. Mai: Mehr Personal für Kinder mit Förderbedarf

31. Mai 2017
  • Mehr Personal für die gleiche Klientel

    Ab dem kommenden Schuljahr werden wir "Schule für gemeinsames Lernen" - mit der gleichen Schülerklientel, aber mit mehr Personal.

    Ab dem Schuljahr 2017/2018 setzen 100 Grundschulen in Brandenburg das Konzept „Gemeinsames Lernen“ um. Die Grünheider ist eine davon. „Wir behalten das gleiche Schülerklientel, aber bekommen mehr Personal“, sagt Schulleiterin Sabine Wilde-Balzer.

    Im „Leiseraum“ der Sonderpädagogen wimmelt es nur so von Zahlen. Auf große Quadrate sind sie gedruckt, um die Logik des Einmaleins zu verdeutlichen. Perlenmuster werden zur Lösung von Aufgaben. „Wir machen hier Mathe zum Anfassen“, sagt Silvia Mohrmann lächelnd. Die 47-Jährige ist eine der Sonderpädagoginnen der Gerhart-Hauptmann-Grundschule. 25 Stunden in der Woche ist sie im Unterricht und betreut Kinder mit speziellem Förderbedarf.

    Sätze wie: „Bei dir habe ich es verstanden“ und „Wann hast du mal wieder Zeit für mich“, seien für sie der schönste Lohn, sagt Silvia Mohrmann. Bald erhalten sie und ihre beiden Kolleginnen Verstärkung. Grund ist das Programm „Gemeinsames Lernen“ des Bildungsministeriums des Landes. Zwei Jahre geht die Einführungsphase. 100 Grundschulen bewarben sich.

    „Unser Ziel ist es, noch individueller am Kind zu arbeiten“, sagt Schulleiterin Sabine Wilde-Balzer. 349 Schüler lernen derzeit an der Schule. Davon haben auch jetzt schon einige besonderen Förderbedarf: Drei Kinder im Bereich „Lernen“, drei bei „körperlicher und motorischer Entwicklung“, drei beim „Hören“, sieben in „emotional-sozialer Entwicklung“.

    „Und das sind nur die diagnostizierten Fälle“, sagt Sabine Wilde-Balzer. Die Grauziffer sei höher. Oft würden Probleme im Elternhaus schlechte Noten und auffälliges Verhalten fördern.

    Damit sich die Lehrer auf den Unterricht konzentrieren können, gibt es Sonderpädagogen. „Jetzt haben wir zwei Vollzeitkräfte und eine Teilzeitkraft“, sagt die Schulleiterin. Ab dem neuen Schuljahr stoße eine Vollzeitkraft dazu. Zudem erhalte die Schule rund 30 zusätzliche Lehrer-Wochenstunden. Darüber hinaus begleiten weiterhin Einzelfallhelfer einige Kinder durch den Tag. Das sei Wahnsinn, aber wenn so ein Kind mal richtig ausraste, müsse jemand an seiner Seite sein.

    Wird es künftig mehr Kinder mit Förderbedarf an der Schule geben? „Nein“, sagt Sabine Wilde-Balzer. „Wir sind nur für Kinder aus Grünheide zuständig.“ Es gehe nicht darum, geistig und körperlich behinderte Schüler aufzunehmen. „Lernen, emotionale und soziale Entwicklung sowie Sprache“ sind die Förderschwerpunkte. Eltern, deren Kinder diesen Bedarf bei Schuleintritt haben, müssen künftig keinen Förderantrag mehr stellen. „Wir fangen die Kinder in unserer flexiblen Eingangsphase mit den Flexklassen auf“, erklärt Sabine Wilde-Balzer. Schaffen sie den Stoff nicht, erhalten sie Auszeiten und individuelle Betreuung.

    Quelle: MOZ